Lehren

Lehren ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Rabbiners. Allwöchentlich legt er (oder sie, wenn es eine Rabbinerin ist) am Schabbat in der Gemeinde die Tora aus. Aus dem jeweiligen Wochenabschnitt greift er sich in der Drascha (der Predigt) ein und zwei Aspekte heraus, erläutert ein paar Feinheiten des hebräischen oder aramäischen Orginaltextes, greift unter Umständen auf Debatten im Talmud oder anderen Textsammlungen der jüdischen Tradition zurück und stellt einen Bezug zur Gegenwart her. Hin und wieder folgt auf  Gottesdienst und Kiddusch noch ein Schiur, eine Lernstunde, in der Fragen beantwortet werden und man gemeinsam über den Text spricht. All das mache ich auch - nicht jeden Schabbat, aber oft. Einige meiner Auslegungen enthält meine Webseite unter dem Stichwort "Wochenabschnitte". Während meiner Münchner Zeit habe ich außerdem zeugnisrelevanten Religionsunterricht erteilt. In Wien unterrichte ich die Bar- oder Bat-Mitzwa-Kinder und die Kandidaten bzw. Kandidatinnen für den Übertritt zum Judentum.

Ähnlich wichtig ist mir allerdings das Gespräch mit der nichtjüdischen Öffentlichkeit. Als Theologe beteilige ich mich am interreligiösen Gespräch mit evangelischen und katholischen Christen. Insbesondere interessiert mich die vergleichende Auslegung der Hebräischen Bibel (christlich: des Alten Testaments) in der die unterschiedlichen exegetischen Traditionen zur Sprache kommen. Zum Neuen Testament kann ich die jüdische Lesart dieser Texte beisteuern. Gelegenheiten dazu boten Seminare und Tagungen in den Evangelischen Akademien von Berlin und Loccum, die Katholische Akademie Berlin, die Friedrich-Ebert-Stifung in Kochel sowie zahlreiche andere Foren, Gemeindezentren und Schulen.

Einige Jahre lang habe ich im Rahmen des Studiengangs "Religionspädagogik" der Evanglischen Hochschule Berlin einen Kurs mit dem Titel "Bibel für Masochisten" unterrichtet. Die Studierenden wurden ermutigt, sich gründlicher mit den zeithistorischen Zusammenhängen der Texte und deren Aussagen auseinanderzusetzen.